“Is anybody use the Tebis Tube Modul? It’s a Tebismodul for programming intake and exhaust ports. I know that Tebis only sells 12 Licences for that, and I think not so much here in Germany. Sorry for my bad englich!
Michael”
Sonntags fahren die U-Bahnen alle 10 Minuten. Die Anzeigetafel zeigt an: Die nächste U-Bahn kommt in 6 Minuten. Genug Zeit, um meine gestern abgelaufene “Umweltkarte” durch eine neue zu ersetzen. An den Automaten, “Umweltkarte” ausgewählt, EC-Karte eingesteckt - keine Reaktion. EC-Karte raus, rein. Checkout-Timeout. Zweiter Versuch: Karte umgedreht, rein raus, an der Hose gerubbelt - keine Reaktion des Automaten. Timeout. Dritter Versuch: ebenfalls erfolglos. Automaten gewechselt: gleiches Spiel, keine Bezahlung: keine Karte. Und keine Lust mehr. Die U-Bahn kommt: ich renne in den letzten Wagen.
“Die Fahrkarten bitte”. War ja klar. Anstatt der sonst üblichen zwei Konrolleure, sehe ich nur einen und bewege mich unauffällig in entgegengesetzte Richtung, wo mir dann die zweite Kontrolleurin begegnet. Es gibt kein Entrinnen. Um eine anstrengende Diskussion zu ersparen, zücke ich meine alte “Umweltkarte” in der Hoffnung, sie sieht nicht nicht so genau hin oder weiß nicht, dass heute schon der 4. Mai ist. Kontrolleurin Berta* steht vor mir, sie schielt. Und zwar gewaltig. Trotzdem reicht ihre Sehkraft aus, um zu erkennen, dass auf meinem Monatsticket der 3. Mai als letzter Tag steht. Zu allem Überfluss reichen ihre kombinatorischen Fähigkeiten auch noch aus, um zu erkennen, dass er in meinem Fall nicht mit rechten Dingen zugeht. “Alle Automaten am R-Platz haben nicht funktioniert und da ich kein Bargeld dabei habe, konnte ich mir leider kein Ticket kaufen.” Berta zeigt keine Reaktion, sondern kramt ihren Mini-Computer hervor, dessen Deluxe-Version den Damen und Herren vom Ordnungsamt vorenthalten ist. Berta muss in ein hellgraues Exemplar aus billigem Plastik Schwarzfahrer eintippen. Macht ihr wohl keinen Spaß, aber so muss sie es machen. Also wird es gemacht. Also: “Den Ausweis bitte.” - “Ich wollte mir doch ein Ticket kaufen, aber wenn die Automaten nicht funktionieren, kann ich auch nichts dafür.” - “Und ich nehm’ das jetzt mal auf.” Ich zeige Ausweis (Fehler), Breta tippt ab und hackt meine Daten über ihre dicken Finger in die kleinen grauen Tasten - das dauert.
Zeit um Berta kennenzulernen. Klein und dick, eigentlich schwarze Haare, die rot gefärbt sind. Schon lange keine Farbe mehr aufgetragen, zu faul. Durch die Sonne der letzten Tage ist das Rot an manchen Stellen zum Orange geworden. Mittelscheitel, man kann bis auf die weiße Kopfhaut gucken. Keine Brille, die Augen stehen wild auseinander gerichtet. Schlapperiges Oberteil, Riesenbrüste, schwarze Hose, dicke X-Beine, bei denen die Oberschenkel fest aneinander kleben. Leichte Schuhe, zu leicht für Berta.
“Ich habe jetzt mal angegeben, dass Sie Ihre Ticket vergessen haben.” - “Aber die Automaten haben doch nicht funktioniert…”. Das Licht im U-Bahn-Wagen flackert, geht aus. Nach einem Moment wieder an. Schwarzfahren in echt. “Melden Sie sich dann innerhalb der nächsten sieben Tage hier.” - “…äh…” - “Montag ab 12 Uhr, gehen Sie dann aber nicht hin, dann sind sie nicht so gut gelaunt.” - “Äh? …und muss ich jetzt etwas zahlen?” - “Vielleicht 7 Euro.” - Werde ich nicht. Dass ich sechs Minuten an den Automaten rumgedoktert habe, können sie sich im Zweifelsfall auch auf den Überwachungsvideos anschauen. Berta verabschiedet sich ohne Augenkontakt und steigt aus.
Nach ein paar Stationen steige ich auch aus und kaufe mir eine “Umweltkarte” für den nächsten Monat. Alles funktioniert. Und Curry 36 (mein Reiseziel) ist auch über bewertet.

CC-Foto: bloqseven
* Name erfunden, aber passend.